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Aus dem Leben eines „Zebras“

Rudelmitglied Mark über die Faszination des Schiedsrichterdaseins beim American Football

Mönchengladbach In nahezu jeder Sportart sind Schiedsrichter zur ordentlichen Austragung der Spiele unabdingbar - im American Football stehen gleich bis zu sieben von ihnen in einer Partie auf dem Platz. Ohne die Damen und Herren im schwarz-weißen Streifenlook geht es nicht, und doch haben Verband und Vereine zunehmend größere Schwierigkeiten, den nötigen Nachwuchs zu finden. Warum engagieren sich so Wenige in diesem abwechslungsreichen und durchaus anspruchsvollen Hobby? Was genau macht den speziellen Reiz gerade dieser Aufgabe in einer der faszinierendsten Teamsportarten der Welt aus?

Mark Zimmermann, Mitglied des Mönchengladbacher Wolfpack und seit drei Jahren als Referee im American Football NRW-weit aktiv, gibt exemplarisch detaillierte und persönliche Einblicke in Spieltag und –vorbereitung – auf dass sich der ein oder andere ebenfalls mit dem „Zebra-Virus“ infizieren möge:

„Seit 2013 bin ich Schiedsrichter im American Football. Und ich liebe es. Hätte anfangs nie geglaubt, dass mir diese Art der Freizeitgestaltung – und dieses „Hobby“ ist zwischen April und September eigentlich auf die Wochenenden beschränkt – einmal so viel Spaß und innere Befriedigung verschaffen würde. Am liebsten wäre ich damals ja selbst aktiver Footballer geworden, doch – um ganz ehrlich zu sein – das körperliche fit-Machen und -Halten, zwei- bis dreimal die Woche das ganze Jahr durch zum Training usw., das ist definitiv nichts für mich. Sollen sich Andere die Zunge aus dem Hals raus trainieren, körperlich immer wieder an ihre Grenzen gehen, das brauche ich für mich wirklich nicht. Aber die Nähe zu meinem geliebten Sport, das aktive Dabeisein auf dem Platz, das gute Gefühl im Team den vollen Einsatz zu zeigen, Respekt und Bestätigung zu finden, das alles erlebe ich trotzdem sehr intensiv - als „Zebra“ an jedem verdammten Gameday. Aber lest selbst:

3-4 Wochen vor Kickoff

Auf dem Schiedsrichter-Portal sehe ich online, für welche Spiele ich eingeteilt bin. Zusätzlich kann ich sehen, mit welchen Kollegen ich pfeifen darf. Mit einem kurzen Klick bestätige ich, dass ich dabei bin.

1 Woche vor Kickoff

Der Hauptschiedsrichter schickt eine E-Mail mit der Info, welcher Schiedsrichter welche Position hat. Zudem bekommt jeder Referee ein kleines Thema gestellt, auf das er sich vorbereiten soll. Vor dem Spiel kann dann in der Kabine darüber kurz referiert werden. Im Handbuch lese ich mir noch einmal meine Aufgaben durch, bereite mich auf mein Thema vor.

1 Tag vor Kickoff

Ich checke meine Ausrüstung und leg die Tasche bereit! Hemden (kurz/lang), Hosen (kurz/lang), Basecap, Gürtel, Socken. Duschzeug, Handtuch, frische Unterwäsche. Und nicht zu vergessen: der Kleinkram: Flaggen, Beanbags, Pfeife, Stift, Scorecard und Radiergummi!

3 Stunden vor Kickoff (Pregame)

Ich fahre los, treffe mich mit den Kollegen am Stadion. Gemeinsam werden wir vom gastgebenden Verein begrüßt und gehen dann in die Kabine. Hier schmeißen wir uns in unseren Zebra-Dress, es gibt frischen Kaffee und kalte Getränke. Sogar Kuchen und Kekse stehen bereit. Wir sitzen locker auf Tischen und Bänken. und jeder Schiedsrichter stellt sein Kurzthema vor; anschließend diskutieren wir darüber. Am Ende bleibt ausreichend Zeit, sich über die heutigen Gegner und ihre jeweiligen Besonderheiten auszutauschen.

1 Stunde vor Kickoff

Der Whitehead und der Umpire verlassen die Kabine, um mit den Coaches beider Teams zu sprechen. Dabei klären sie u.a., ob die Trainer über die neuesten Regeländerungen informiert sind. Zudem fragen sie nach geplanten ungewöhnlichen Spielzügen, die z.B. uns Schiedsrichter evtl. verleiten könnten, zu früh abzupfeifen. Am Schluss steht immer die Frage, ob Quarterback und Kicker Rechts- oder Linkshänder/-füßler sind. Das ist wichtig, damit der Whitehead weiß, wo er sich auf dem Feld zu positionieren hat. Abschließend wird geklärt, welches Team wann und wo den Passcheck durchführen wird.

40 Minuten vor Kickoff

Whitehead und Umpire kommen zurück in die Kabine, erzählen uns, was sie gerade erfahren haben. Wenn ungewöhnliche Spielzüge zu erwarten sind, diskutieren wir noch einmal darüber.

30 Minuten vor Kickoff

Linesman und Sidejudge verlassen die Kabine. Ihr Job ist es, jetzt die Kettencrew einzuweisen. Sie überprüfen zudem, ob die Länge der Kette auch den Yard-Markierungen auf dem Feld entspricht.

20 Minuten vor Kickoff

Wir verlassen geschlossen die Kabine, um gemeinsam mit den Teams den Pass-Check vorzunehmen. Dabei werden nicht nur die Spielerpässe kontrolliert, sondern auch die individuelle Ausrüstung der Spieler. Tragen alle die vorgeschriebenen Pads? Haben alle einen regelkonformen Mundschutz? etc.

5 Minuten vor Kickoff

Die „Seiten-Schiedsrichter“ stellen sich kurz den jeweiligen Coaches vor. Das sind Linesman und Sidejudge auf der Gästeteam-Seite, Linejudge und Fieldjudge auf der Seite der Heimmannschaft.

3 Minuten vor Kickoff (Cointoss)

Die Seiten-Schiedsrichter führen die Teamcaptains in die Spielfeldmitte und stellen dabei die Teams vor. Jetzt begrüßt der Whitehead die Captains und stellt sich selbst kurz vor. Im Anschluss macht es ihm die komplette Schiedsrichter-Crew nach. Zum eigentlichen Cointoss wählt der Speaking-Captain des Gast-Teams auf der Münze zwischen Kopf und Zahl. Das bestätigt der Umpire, dann wirft der Hauptschiedsrichter den Coin. Der Gewinner trifft seine Wahl, die durch den Whitehead danach angezeigt und laut verkündet wird. Jetzt gehen die Teamcaptains zurück in ihre Teamzone. Wir stehen noch einen Moment zusammen, legen dann unsere Hände übereinander und schwören uns ein. Beliebte Rufsprüche dabei sind z.B. 'Spass dabei' oder 'No Rain!'

Kickoff

Ich stehe auf meiner Position, verfolge das Spiel. Beobachte vor allem die Spieler, die ich ob meiner Position beobachten muss. Werfe eine Flagge, pfeife ab. Gebe das gesehene Foul an den Whitehead weiter, der die entsprechende Strafe verkündet. Von den Fans werde ich bejubelt, weil ich für ihr Team entschieden habe. Genauso werde ich von ihnen ausgebuht oder beschimpft, wenn ich gegen das Team geworfen habe. Aber das alles nehme ich nur am Rande wahr, geht unter - ich bin hochkonzentriert! Blende alles andere aus. Coaches und Spieler brüllen mir aus der Teamzone in den Nacken, ob ich denn dieses oder jenes Foul nicht gesehen hätte? Wenn ich Zeit habe, erkläre ich den Coaches, warum es ein Foul oder eben kein Foul war. Wenn ich Zeit habe!

Dazwischen Handzeichen mit meinen Kollegen, immer wieder nonverbale Kommunikation.

Dann erneut Rennen. Dabei darauf hoffen, dass meine Schiedsrichterzone frei bleibt, denn ich sehe nicht, wohin ich renne - meine Augen sind beim Spielgeschehen!

Halbzeit

Ab in die Kabine, schnell was trinken und durchatmen! Der Whitehead übt derweil Manöverkritik:

„Balltransport muss schneller gehen!“ „Deine Sideline muss auf Kurs gebracht werden!“ „Achtet auf Heimteam-Spieler Nr. XX, der ist schon verwarnt wegen Hand am Helm des Gegenspielers!“ „Passt auf 'Facemask' auf!“

Zweite Halbzeit

Das Spiel ist eng, der Spielstand denkbar knapp. Ich spüre die Emotionen aller im Stadion. Die Fans versuchen ihr Team zum Sieg zu brüllen, die Spieler werden aggressiver! Kleine Nickeligkeiten schleichen sich ein. Ich muss entscheiden, ob das, was ich sehe, ein persönliches Foul war und ich eine Flagge werfe - oder ob ich mir die Spieler heranrufe und ihnen „nur“ eine klare Ansage mache.

Ich lass mich mitreißen, habe jetzt richtig Lust, hier zu sein. Genau hier. 60 Yard Lauf! Ich renne hinterher! Komme leicht außer Atem. Egal! Das Stadion bebt, die Stimmung ist überschäumend! Kurze Atempause, ein Team hat ein Timeout genommen. Der Stadionsprecher heizt ein, dazu noch passende Musikuntermalung.

Ich kriege noch mehr Lust, Adrenalin rauscht durch meinen Körper.

Der nächste Spielzug, ich muss wieder eine Flagge werfen. Angriff mit der Helmkrone auf einen verteidigungslosen Spieler! Das bedeutet Platzverweis. Eindeutiges Regelwerk. Das halbe Stadion buht mich aus, der Coach brüllt mich an. Aber das kann ich ab, muss ich abkönnen! That‘s American Football, wie ich ihn liebe.

Spielende

Uff. Durchatmen. Langsam weicht die erste Spannung aus meinem Körper. Zu den Kollegen in Richtung Spielfeldmitte. Abklatschen. Ich bedanke mich bei den anderen Refs für das Spiel und die gute Zusammenarbeit.

Dann geht‘s ab in die Kabine. Wir vergleichen noch die Scores, die Timeouts und die Fouls. Alles wird sorgfältig in die Spielberichtsbögen eingetragen. Dann endlich Duschen. Ruhe kehrt ein. Nebenan feiert das siegreiche Team lautstark, wir warten auf den Vereinsvertreter mit dem Spesengeld. Eine Viertelstunde später verlassen wir das Stadion. Sehen uns bestimmt schon bald wieder; manch einen eher, andere später.

Soweit meine kleine exemplarische Schilderung aus dem Leben eines „Zebras“, Schiedsrichter beim American Football. Mag es dem ein oder anderen Inspiration und Information zugleich sein. Wer weiß, vielleicht werde ich einige von euch schon bald als Kollegen auf dem Platz sehen? Freuen würden wir uns, würde ich mich sehr, empfehlen kann ich es aus vollem Herzen!

Euer Wolf im Zebrapelz

-Mark Zimmermann- “

Weitere Infos zum Schiedsrichtertum im American Football in NRW gibt’s beim Verband, z.B. unter http://afcvnrw.de/cms/schiedsrichter/news/879-ausbildung-vs-karneval.html .

Übrigens: der Verein des MG Wolfpack (www.mg-wolfpack.de) unterstützt werdende Referees, auch finanziell! Und der nächste E-Lizenz Lehrgang startet bald…Schickt uns einfach eure Bewerbung über den Kontakt "Referee werden" auf der Startseite. Falls ihr vorab noch Fragen dazu haben solltet, beantwortet unser Wolfpack-Referee Mark Zimmermann euch diese auch gerne direkt, z.B. über Facebook oder per Mail an zebras@mg-wolfpack.de .

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